Interview mit Stephanie Wilke

„Liebes Haus, sprich mit mir!“ – der Titel Ihres Vortrags ist etwas beunruhigend. Kann ein Haus ein interessanter Gesprächspartner sein?

In dem Moment, in dem ein Haus nicht nur eine passive Hülle sondern ein aktives, „mitdenkendes“ Haus ist, kann das Haus durchaus ein interessanter Gesprächspartner sein! Und mir etwas über seinen Zustand verraten und Informationen mitteilen… Es kann mir z.B. sagen, wieviel emissionsfreie Energie es durch die Photovoltaik gewonnen hat, mir vielleicht sogar empfehlen, aus dem Überschuss mein Elektroauto aufzuladen. Oder ich kann ihm im Gegenzug mitteilen, dass ich in einer halben Stunde Zuhause sein werde und es „bitten“, die Räume vorzuheizen. Beim Auto haben wir uns längst daran gewöhnt, dass es durch das Navigationssystem, die Pausenempfehlung oder die Tankanzeige zu uns „spricht“. Warum sollte das beunruhigend sein, wenn wir diese sinnvolle Kommunikation auf das Haus übertragen? Denn darüber entscheiden, was passiert und ob man der Empfehlung folgt, kann immer noch der Nutzer des Hauses.

 


Vielen smart-home-Technologien gegenüber besteht das Vorurteil, sie wären überflüssige Spielerei und würden das Leben eher komplizierter denn einfacher gestalten. Wie ist Ihr Standpunkt?

Wenn die smart-home-Technologie einfach und verständlich in der Nutzung ist und zudem Informationen vermittelt, die ich sonst nicht habe oder einzeln zusammen tragen muss, ist sie eine sinnvolle Bereicherung des Lebens. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele: Man kann auf dem Sofa sitzen bleiben und mit zwei Klicks die Jalousien öffnen ohne aufzustehen. Oder die mit dem deutschen Wetterdienst verbundene alphaEOS Steuerung fragen, wieviel
Energieüberschuss voraussichtlich am nächsten Tag zu erwarten ist. Um dann zu entscheiden, was man damit machen möchte. Das Auto laden? Oder vielleicht doch am Abend, wenn das Netz Bedarf hat, den Überschuss an der Leipziger Börse verkaufen? Oder die Bilanzierung auf das Quartier erweitern und ein energetisch schwächeres Nachbargebäude unterstützen?

 


Sind Technik und Entwurf manchmal unvereinbar? Gab es bei dem Projekt „Aktivhaus B10“ solche Schwierigkeiten?

Technik und Entwurf bedingen sich im besten Fall und führen zu einer neuen Lösung. Erst durch ihr integrales Zusammenwirken und die Vernetzung z.B. von Baukonstruktion, Fassade, Energie, Tragwerk und Materialien entstehen gelungene Entwürfe. Diesen Ansatz hat Prof. Werner Sobek beim Aktivhaus B10 von Anfang an verfolgt – insofern: Nein…

 


Welchen Herausforderungen müssen sich Architekten und Planer zukünftig stellen? Wie können sich Industrie und Planer darauf vorbereiten?
Die Herausforderung der Zukunft wird sein, nachhaltig und intelligent zu bauen. Wir müssen zum einen unseren Ressourcenverbrauch reduzieren, die vorhandene emissionsfreie Energie der Sonne nutzen und über Rezyklierbarkeit von Gebäuden nachdenken (die Automobilindustrie ist uns auch hier einen Schritt voraus). Werner Sobek hat das mit dem markenrechtlich geschützten Begriff Triple Zero® (zero energy, zero emissions, zero waste) zusammengefasst. Des Weiteren müssen Planung und Ausführung noch besser koordiniert werden. BIM (Building Information Modeling) ist hier die
zukunftsweisende Methode dafür. Damit hat man Kosten- und Planungssicherheit für alle Beteiligten und kann die mit dem Bau so negativ verbundenen Folgen vermeiden.

 


Haben Sie ein Lieblingsgebäude, welches Sie besonders fasziniert? Wenn ja, warum?

Ganz sicher ist der Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe eines meiner Lieblingsgebäude. Weil er stilbildend für eine moderne, elegante und leichte Architektur ist. Und sein freier Grundriss mit Transparenz nach außen der damaligen Formensprache auf unnachahmliche Weise einen neuen Ansatz gegenüberstellte. Im Übrigen hatten wir mit dem Aktivhaus B10 die einzigartige Chance, in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart direkt gegenüber dem Wohngebäude von Mies van der Rohe einen temporären Bauplatz zu bekommen.

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